Jeder Blog braucht einen Anfang

Als ich als kleines Mädchen meine erste Geschichte mühsam auf Mamas alter Schreibmaschine getippt habe, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich noch sehr lange, sehr viele Wörter auf den Folgemodellen jener Schreibmaschine produzieren würde.

Geschichten zu erfinden fiel mir schon immer leicht. Es gibt so viel Inspiration, so viele Ideen, die in meinem Kopf umherschwirren und so wenig Stunden am Tag, um sie zu Papier zu bringen. Trotzdem tue ich das. Eine Geschichte nach der anderen und manchmal auch alle gleichzeitig, was der Konzentration schadet, die Kreativität allerdings vor Freude hüpfen lässt.

Ich unterhalte mich mit meinen Figuren, diskutiere, streite und trage oft genug wahre Wortschlachten mit ihnen aus. Manchmal rede ich auch mit mir selbst. Oder dem Hund. (Natürlich rede ich nur mit dem Hund.) Will man als Schriftstellerin ernst genommen werden, sollte man die Gespräche mit fiktiven Figuren vielleicht nur in entsprechenden Kreisen erwähnen. Außenstehende können diese leicht irre wirkende Arbeitsmethode nur selten nachvollziehen. Gleichgesinnte hingegen nur zu gut. Robin Hobb erzählte einst über ihre Anfänge, als sie in der Waschküche an ihrem alten Schreibtisch saß, den Fitz im Nacken und den Fool irgendwo hockend, während beide ihr ihre Geschichte erzählten. Ungefähr so ist es auch bei mir. In meinem Haus schleichen ständig irgendwelche Romanfiguren herum, der eine leise, die andere ziemlich laut und ab und zu lassen sie sich dazu herab, mir von ihrem Leben zu erzählen. Manche teilen sich stets bereitwillig mit, anderen muss ich die Wörter buchstäblich aus der Nase ziehen.

Das war jedoch nicht immer so. Als ich 1995 mein erstes Buch veröffentlicht habe, schrieb ich zunächst noch über ‚echte‘ Menschen. Vielleicht verirrt sich ja der ein oder andere Leser aus meine Anfangszeit nach hier und ruft jetzt: „Ach die!“ Ja, die. Damals war ich die jüngste Autorin Deutschlands, ein Teil des zu der Zeit einzigen Mutter-Tochter Autorenduos. Viel gelernt, viel gelacht, viel erlebt. Eine Zeit, die ich nicht missen möchte und eine Zeit, die auf ewig ein Teil von mir sein wird.

Heute stehe ich auf eigenen Füßen und schreibe allein. Ein Haus, einen Hund, einen alltagstauglichen Job. Doch dann habe ich festgestellt, dass ich noch einiges zu sagen habe, und dass ich die Geschichten, die ich eigentlich nur noch für mich und für meine Freunde schreibe, auch noch mit anderen teilen möchte.

Wenn man mich fragt, was ich denn heute so mache, ist die spontane Antwort stets: „Ich schreibe.“ Ich liebe meinen Job und ich möchte ihn nie aufgeben, aber tief im Inneren, so fest verwurzelt, dass nichts und niemand das je ändern kann, bin ich immer noch das kleine Mädchen an der Schreibmaschine.

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