Autorenalltag

Fragt ihr euch auch manchmal, wie das Leben anderer Autoren so aussieht? Wenn ich so die Online-Geschichten meiner Lieblingsautoren verfolge, frage ich mich das jedenfalls oft. Wann schreiben die denn? Und wie? Und wo? Und geht es denen genauso, dass sie manchmal gerade ins Bett gegangen sind und dort liegen und ihnen eine Idee im Kopf rumspukt und sie sich fragen, ob es sich jetzt lohnt dafür aufzustehen, oder ob sie das auf morgen verschieben. (Kleiner Tipp am Rande: Aufstehen!)

Bei mir ist das so: ich habe einen Alltagsjob, einen Hund und ein Haus, um das ich mich kümmern muss. Jeder, der ein Haus hat, weiß, dass es nicht einfach nur da steht und schön aussieht, weil die Wichtel einmal die Woche vorbei kommen, um sämtliche anfallenden Arbeiten zu erledigen. Ein Haus ist Arbeit. Und wer etwas anderes behauptet, wohnt entweder im Märchenland oder hat einen Wichtel, der sich kümmert.

Neben den Haus-Pflichten sind dann da noch Freunde, Freizeit, Hobbies und Termine jeglicher Art. Schlafen muss ich auch irgendwann.

Klingt vollgepackt? Ist es auch. Deswegen ist Zeitmanagement so wichtig. Bevor ich mich als Autorin wieder selbständig gemacht habe, war das nämlich so, dass ich an den Vormittagen meistens Zeit hatte, Dinge zu erledigen. Ich hatte auch mal Zeit zu trödeln, Zeit, um hier und da einen Kaffee zu trinken, Frühstücken zu gehen, shoppen und Lesen und allen immer links und rechts zur Verfügung zu stehen. Die Freuden der freien Zeiteinteilung halt.

Seit ich aber wieder offiziell schreibe, hat sich das geändert. Ich arbeite jetzt morgens auch, obwohl das für die meisten nicht so aussieht. Gerade jetzt sitze ich um 9h im Schlafanzug auf der Couch mit Decke und Hund und arbeite an meinem Blog. Ja, das ist Arbeit. Ich habe das riesen Glück, das vormittags in Schlabberklamotten tun zu können. Es ändert jedoch nichts daran, dass es Teil meines Jobs ist (ebenso wie manchmal rumsitzen und Nachdenken oder lange Spaziergänge zum Grübeln machen oder auch mal seltsame Dinge recherchieren).

Meistens sieht mein Alltag nämlich so aus: Ich stehe früh auf, mache Kaffee und setze mich an mein Laptop. Das sollte ich rückenschonend am Schreibtisch tun, jedoch siegt meistens die Bequemlichkeit und ich lande auf der Couch. Im Sommer schon mal gern auf der im Wintergarten, aber meistens ist es meine Couch im Wohnzimmer. Und dann schreibe ich. Manchmal ein paar Sätze, manchmal ganze Seiten, manchmal nicht zusammen hängendes Zeug, das irgendwann einmal eine Geschichte werden soll. So wie gerade. Ich hatte eine Idee, habe einen Klappentext und gebe nun den neuesten Protagonisten mal eben die Chance, ihre Gedanken mitzuteilen. Mit dem Ergebnis, dass ich Story-Hüpfe. Heißt: Schreiben, was die liefern, egal, ob es Sinn macht. Am Anfang habe ich zum Beispiel das Ende stehen. Oder irgendwas in der Mitte. Oder einen Teil Vergangenheit, irgendwelche Schlüsselszenen, die es mir erlauben, meine Figuren besser kennen zu lernen. Nebenher wartet die NaNoWriMo Geschichte auf Fortsetzung und Anfang der Woche habe ich mein Buchbaby 2 an meine Lektorin geschickt. Manchmal erschaffe ich neue Welten und manchmal editiere ich in alten Welten rum. Manchmal schreibe ich auf Deutsch und manchmal auf Englisch. Und all das mache ich morgens beim ersten Kaffee und noch bevor der Hund bereit ist, sich von mir in die weite Welt zerren zu lassen. Von wegen: „Die schläft ja noch!“

Nach dem Spaziergang dann hocke ich mich gern nochmal einen Moment hin, wenn nichts anderes anliegt, und tippe noch ein bisschen. Oder plane noch ein bisschen. Und dann schließlich setze ich mich an den Schreibtisch, wo die wenig spannenden administrativen Aufgaben auf mich warten. Und Rechnungen. Und Emails. Und Dinge, zu denen ich keine Lust habe, die sich aber – unabgearbeitet – in kürzester Zeit zu einem Schreibtischmonster epischer Art auftürmen würden, was wiederum dazu führen würde, dass ich mein Büro gar nicht mehr betrete und es zur Twilight-Zone mutiert.

Also setze ich mich lieber an meinen Schreibtisch und ersticke das Monster im Anfangsstadium. Manchmal kämpfe ich auch nur mit dem Drucker. Oder mit dem Scanner. Oder manchmal sitze ich da und starre aus dem Fenster und frage mich, ob ich diese eine Geschichte nicht doch schreiben soll. Oder was ich als nächstes veröffentlichen will. Oder wer meine Figuren in einer Verfilmung spielen soll. Bis dann eine Email mich aus dem Grübeln reißt oder irgendwer an der Tür klingelt oder mir einfällt, dass ich etwas Wichtiges noch nicht erledigt habe und ich mich wieder dem Monsterkampf zuwende. Doch meistens arbeite ich an meinem Schreibtisch. Und ab und an schreibe ich da auch.

Essen muss ich dann irgendwann auch mal was. Und mein Haushalt nutzt meisten diesen Moment, um mehr oder weniger hysterisch loszubrüllen. Wenn die Hysterie sehr groß ist, erledige ich die Dinge in den paar Minuten, die ich zwischendurch Zeit habe. Wenn es sich jedoch um ignorierbares Chaos handelt, das mich in meinem Alltagstreiben nicht allzu sehr einschränkt, lasse ich das auch schon mal liegen. Und verbringe dann meist den Sonntagvormittag mit Schadensbegrenzung. Oder ich lasse das auch und gehe einfach raus, damit ich das Elend nicht mehr sehen muss.

In der Woche muss ich dann nachmittags arbeiten. Ich fange relativ spät an und komme entsprechend spät nach Hause. Wenn ich dann schließlich den Tageskreis auf meiner Couch vollende, reicht es meist nur noch für eine Folge irgendeiner Serie oder irgendeine Sendung oder ein paar Reihen Häkeln oder schnell noch mit den Freunden texten. Eben noch zu Instagram und mein Feed füttern und dann krieche ich auch schon ins Bett.

Das ist die Norm. Die Ab-Norm ist, wenn – so wie in letzter Zeit – ein Termin den nächsten jagt, ich Winterreifen brauche oder der Abfluss verstopft ist und ich abends noch mit der Rohrreinigungsfirma (ja, SO übel war‘s) im Keller stehe und den Schmodder wegwische. Oder wenn die Heizung zickt, so wie gerade und ich ebenfalls im Keller stehe und mich frage, ob ich lachen oder weinen soll. An Ab-Norm Tagen reiße ich Hecken raus, stecke bis zu den Ellenbogen in Blumenerde oder kämpfe mich durch Staubschichten und alte Kisten auf dem Dachboden. An Ab-Norm Tagen räume ich auch schon mal das Schlafzimmer um. Oder verkrieche mich den ganzen Tag vor dem Fernseher oder wandere quer durch den Wald auf unbekannten Wegen. Manchmal verarbeite ich solchen Kram in Geschichten. Manchmal schreibe ich tagelang nichts. Aber auch das ist normal. An manchen Tagen schreibt man, an manchen Tagen grübelt man. Das gehört zum Job.

An den Wochenenden verbarrikadiere ich mich dann gern schon mal zwei Tage in meinem Fuchsbau und bin nicht ansprechbar, weil ich endlich ZEIT habe und mir nichts und niemand im Nacken sitzt und das Schreibtischmonster glücklich schnurrend eine Auszeit nimmt. Meine Freunde kennen das schon, die haben Verständnis und stören nicht. Oder kochen für mich mit, damit ich nur ja nicht verhungere. Ich schreib dann. Das wissen die.

Ein Kommentar zu „Autorenalltag

  1. Ein schöner Einblick in das Autoren-Alltags-Leben! 🙂 In vielen kleinen beschriebenen Szenen erkennt man sich glatt selber wieder. 😉 Sehr liebenswürdig. Ich wünsche Ihnen stets Erfolg beim Schreiben und genügend Zeit. Liebe Grüße. 🙂

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